Nancy Plaßmann, Vorständin der Osnabrücker Sparkasse, im Interview

Weibliche Hauptrolle

Nancy Plaßmann absolvierte ein Traineeprogramm bei der Sparkasse Osnabrück zur Sparkassenbetriebswirtin, das sie mit dem Abschluss Diplom-Kauffrau an der Hochschule Hannover ergänzte. Seit dem 1. Oktober 2018 ist sie Vorständin der Sparkasse Osnabrück für das Privatkundengeschäft inkl. des Immobiliengeschäfts. Darüber hinaus verantwortet sie das Private Banking und das Vertriebsmanagement sowie die digitalen Kanäle für 270.000 Kunden. Die Sparkasse Osnabrück ist die viertgrößte Sparkasse Niedersachsens mit einer Bilanzsumme von ca. 8 Mrd. Euro und mehr als 1.100 Mitarbeiter*innen. “Verfolgt eure Ziele, aber seid auf keinen Fall zu verbissen”, rät sie im Interview jungen Aufsteigerinnen.

Nancy Plaßmann war vor ihrer Vorstandsstätigkeit als Bereichsleiterin Vorstandsstab und als Geschäftsführerin der zwei Stiftungen der Sparkasse Osnabrück tätig.
Nancy Plaßmann war vor ihrer Vorstandsstätigkeit als Bereichsleiterin Vorstandsstab und als Geschäftsführerin der zwei Stiftungen der Sparkasse Osnabrück tätig.

Frau Plaßmann, viele Menschen kennen Joe Kaeser oder Dirk Rossmann. Die Namen von Top-Managerinnen wie Simone Menne oder Janina Kugel sagen dagegen nur wenigen etwas. Woran, glauben Sie, liegt das?
Als Bankerin ist Wahrscheinlichkeitsrechnung mein Metier. Wenn nur 9 Prozent der Personen in Managerpositionen weiblich sind, dann ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass diejenigen, die bekannt werden, Männer sind. Relevant ist zudem, wie lange jemand bereits im Amt ist. Wie viele männliche Topmodels kennen Sie? Am Ende des Tages ist das eine Frage der Statistik.

 

Die Statistik verrät aber auch, dass Frauen unterrepräsentiert sind. Was sind Ihrer Meinung nach die Hürden, denen Frauen in ihrer Karriere begegnen?
Lassen Sie mich mit einem Zitat der Schriftstellerin Irmtraud Morgner antworten: „Der schlimmste Fehler von Frauen ist ihr Mangel an Größenwahn.“ Damit will ich nicht dazu aufrufen, dass auch noch Frauen größenwahnsinnig werden. Aber ein selbstbewussteres Auftreten und Einfordern von Positionen tät der einen oder anderen gut.
Daneben brauchen wir einen Perspektivwechsel. Frauen sind nicht defizitär, weder in Ausbildung noch in Fähigkeiten. Deshalb müssen wir weg von Begriffen wie Frauenförderung. Gesellschaftlich brauchen wir eher einen Wandel bei den Männern, damit sie auch zeitlich mehr Verantwortung für Familie, Pflege und Partnerschaft übernehmen und das auch als Gewinn betrachten.

 

2018 sind Sie als erste Frau in der Geschichte der Sparkasse Osnabrück in den Vorstand gerückt. Wie haben Sie das geschafft?
Durch eigene Fähigkeiten wie Leistungswillen, Zielstrebigkeit, Entscheidungsbereitschaft, kommunikative Stärke und ein sehr hohes Engagement sowie den Glauben an mich selbst. Zudem hatte ich Unterstützerinnen und Unterstützer, loyale Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Förderer im Unternehmen. Auch außerhalb des Unternehmens habe ich Rückhalt. Vor allem durch Freunde, Familie und meinen Mann. Niemand macht allein Karriere.

 

Gutes Stichwort. Hatten Sie „soziale Paten“, die Ihnen den Aufstieg erleichtert haben, oder auch Vorbilder, die Sie inspiriert haben?
Den größten Dank richte ich an meine Eltern. Sie haben meinen Geschwistern und mir vorgelebt, dass das Geschlecht keine Rolle spielt und Gleichheit selbstverständlich ist. Ich habe nie darüber nachgedacht, als Frau etwas nicht machen zu können. Und meinen Mann, der mir immer wieder sagt: „Wenn du willst, kannst du alles.“ Ein großes Vorbild habe ich aber nicht.

 

Was haben Sie in Ausbildung und Studium gelernt? Was zahlt sich aus dieser Zeit aus?
Bis heute profitiere ich von der Kombination aus Ausbildung und Studium, weil ich dadurch das Sparkassengeschäft von der Pike auf gelernt habe. 1998 habe ich das Traineeprogramm bei der Sparkasse Osnabrück angefangen. Es war allerdings die richtige Entscheidung, dass ich BWL an der Hochschule Hannover studiert habe, weil ich die Welt der Sparkassen verlassen und von außen darauf geblickt habe. Was ich im Studium nicht unterschätzen würde, sind Cases. Die Fallstudien, die wir damals behandelt haben, waren sehr lehrreich. Managementtheorien und volkswirtschaftliches Wissen sind darüber hinaus ein gutes Rüstzeug.

 

Wie sieht Ihr Arbeitsalltag heute aus?
Viele typische Arbeitstage gibt es nicht. Ich lese die ersten E-Mails meist am Frühstückstisch und fahre danach mit dem Fahrrad zur Arbeit. Der Alltag ist dann geprägt von Meetings und Entscheidungen. Dazu kommen Repräsentanztermine am Abend, auch am Wochenende. Beides findet inzwischen in Teilen digital statt. Inhaltlich besteht ein Großteil meiner Arbeit in der strategischen Weiterentwicklung der Sparkasse, aber auch aus Tätigkeiten im Unternehmen. Das betrifft etwa die Konditionsgestaltung, Banksteuerung, große Kundenfälle und natürlich auch Führung. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist Kommunikation. Hinzu kommen zahlreiche Ehrenämter, die ich bekleide.

 

Zum Beispiel?
Ich bin in der Stiftung der Heilpädagogischen Hilfe Osnabrück tätig, die sich für Inklusion engagiert. Außerdem bin ich Vorstandsmitglied und Schatzmeisterin der Felix-Nussbaum-Gesellschaft. Daneben bin ich Vorsitzende des Beirats des Zoos Osnabrück. Abseits der sozialen und kulturellen Ehrenämter mache ich auch Lobbyarbeit für die Sparkassen und bin unter anderem in Geld- und Kreditausschuss der Deutschen Industrie- und Handelskammer aktiv, damit die Sparkassen ihren festen Stand als Rückhalt der Wirtschaft behalten.

 

Ihre Branche, die Welt der Finanzen, gilt immer noch als stark männerdominiert. Glauben Sie, dass sich dennoch etwas tut?
Die Zeit ist reif. Wenn ich in die Welt der Sparkassen blicke, sehe ich, dass langsam etwas mehr Frauen aufsteigen. Allerdings haben wir eine hohe Mitarbeiterbindung, viele Kolleginnen und Kollegen sind jahrzehntelang bei uns. Da dreht sich das Personalkarussell vielleicht etwas langsamer. Wie es bei anderen Großbanken aussieht, kann ich von außen nicht bewerten.

 

Braucht es mehr Frauen in den Führungsetagen oder spielt das Geschlecht, wenn überhaupt, nur eine Nebenrolle? Denken Sie, dass Frauen einen anderen Führungsstil haben?
Führungsstil kennt kein Geschlecht. Intelligenz und Führungsqualitäten hängen nicht am X- oder Y-Chromosom. Das unterscheidet sich von Mensch zu Mensch. In der Führung sollten sich immer die besten Kräfte durchsetzen. Wer von vorneherein, Menschen aufgrund von Herkunft, sexueller Neigung oder Geschlecht ausschließt, der sucht nicht mehr nach den besten Kräften und ist ehrlich gesagt in einem Zeitalter vor der Aufklärung hängen geblieben.

 

Was würden Sie jungen Aufsteigerinnen raten? Worauf kommt es bei der Karriere an?
Verfolgt eure Ziele, aber seid auf keinen Fall zu verbissen. Erkennt und ergreift die Wege, die euch offenstehen, auch wenn sie außerhalb der eignen Komfortzone liegen. Erweitert euren Horizont. Sucht euch Partnerinnen und Partner, die euch ernsthaft unterstützen. Seid euch im Klaren darüber, dass es offenkundige und unterschwellige Konkurrenz geben wird. Das gehört zum Spiel. Baut euch ein Netzwerk auf, zum Beispiel über die Wirtschaftsjunioren der IHK. Schafft euch ein privates Umfeld außerhalb der Firma und sucht euch einen Ausgleich zum Beruf.

Dieses Interview erschien zuerst in Quo Vadis, dem Hochschulmagazin der Neuen Osnabrücker Zeitung. Das Interview führte Sebastian Fobbe.