Reparieren statt wegwerfen – wie das Repair Café im Café OASE Osnabrück verbindet
Es sind oft die kleinen Defekte des Alltags, die große Fragen aufwerfen. Der Toaster streikt, die Socke hat ein Loch, das Fahrrad einen platten Reifen – und wegwerfen ist hier keine Option. Seit mittlerweile elf Jahren zeigt das Repair Café der Diakonie Osnabrück Stadt und Land in der Lohstraße, dass Reparieren mehr sein kann als eine pragmatische Lösung. Es ist ein sozialer Treffpunkt, ein Lernraum und ein stiller Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft.

Die Idee stammt ursprünglich aus den Niederlanden. 2009 entstand dort das erste Repair Café, inzwischen gibt es weltweit tausende. In Osnabrück fand das Konzept 2015 im suchtmittelfreien Treffpunkt Café OASE ein Zuhause. Ein Ort, der bewusst niedrigschwellig ist – alkoholfrei, drogenfrei, offen. Genau hier entfaltet das Reparieren seine zweite Wirkung: Neben der Werterhaltung von Dingen geht es um die Achtung von Menschen und ihren Fähigkeiten.
„Wir möchten die nicht auf der Strecke lassen“, sagt Eike Strunk, Sozialarbeiter und seit Oktober 2024 Leiter des Repair Cafés. Viele der Gäste sind sozial benachteiligt, einige kommen mit sehr wenig Geld aus. Das Angebot ist deshalb komplett kostenlos. Gleichzeitig ist das Ziel keine Abgrenzung, sondern Durchmischung. Denn Menschen aus unterschiedlichen Lebenslagen sitzen nebeneinander, halten Schraubenzieher, erklären, hören zu.

Getragen wird das Projekt von einem festen Team aus Ehrenamtlichen, überwiegend Rentnerinnen und Rentnern. Die meisten sind keine gelernten Handwerker, sondern leidenschaftliche Hobbyschrauber. Unterstützung kommt punktuell dazu. Beispielsweise von einer professionellen Schneiderin an der Nähmaschine oder einem ehemaligen Fahrradladenbesitzer, der nun in einer Garage hinter dem Café OASE Anleitung zur Selbsthilfe gibt, wenn es darum geht, Drahtesel wieder straßentauglich zu bekommen. Zusätzlich zur Fahrradswerkstatt und Nähstube gibt es eine Elektrowerkstatt. Häufig liegen Staubsauger auf dem Tisch, manchmal Laptops. Wenn das Wissen nicht reicht, wird gemeinsam recherchiert – notfalls mit YouTube-Tutorials.
Finanziell startete das Repair Café mit einem kleinen Budget, danach wurde vieles zusammengesucht und über Spenden ermöglicht. Unternehmen unterstützen das Projekt, indem sie beispielsweise ausrangierte IT-Geräte zur Verfügung stellen. In einem „Zu verschenken“-Regal wechseln Dinge den Besitzer, manchmal gegen einen kleinen symbolischen Betrag.

Einer der Gründer, Gerd, ist heute über 80 Jahre alt. Dass das Repair Café noch immer existiert, liegt an Menschen wie ihm, die über Jahre hinweg ihre Freizeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen. Und an der Bereitschaft von neuen Ehrenamtlichen, Verantwortung zu übernehmen. Die Räume stellt die Diakonie, das Engagement füllt sie mit Leben.
Das Repair Café im Café OASE ist kein Leuchtturmprojekt mit großen Worten. Es ist leise, praktisch und konsequent. Typisch Osnabrück eben: bodenständig, solidarisch und mit dem festen Glauben daran, dass man Dinge – und manchmal auch Lebenswege – reparieren kann, wenn man sich Zeit nimmt.
