Stefan Wessels setzt sich mit BaKoS für das Überwinden von sozialen Ungerechtigkeiten durch Sportangebote für alle Kinder ein

Der Ballschullehrer im Team Nagelsmann

BaKoS ist alles, aber keine Fußballschule

Wer jetzt denkt, dass BaKoS wieder eine der vielen Fußallschulen ist, die Nationalspieler nach er aktiven Zeit eröffnen – weit gefehlt. Mit dem 2012 gegründeten Verein vermittelt der ehemaligen Bundesligatorwart Kindern den Spaß an gesunder Bewegung und Sport. Auch geht es in der Osnabrücker Ballschule – ebenso wie in seinem neuesten Projekt „Sport vernetzt“ – darum, Missstände zu überwinden, Werte wie Teamarbeit, Fairness und Disziplin zu leben und sozial benachteiligten Kindern die Chance zu geben, sich durch Spiel und Sport zu entwickeln. Im Mittelpunkt steht nicht der Fußball. In den Ballschulstunden in Kindergärten und Vereinen, dem Regelunterricht und der Nachmittagsbetreuung in Schulen werden wechselnde Übungen und Spielformen mit unterschiedlichen Bällen angeboten. „Kinder brauchen Bewegung.“ Das ist ein Leitsatz hinter allem, was Stefan Wessels in Osnabrück auf die Beine stellt.

1 Jahr Lila-Weiß für ein Leben in Osnabrück

Dabei war BaKoS im Leben von Stefan Wessels genauso wenig geplant wie Osnabrück. Seine Frau kommt aus Hannover, hat hier studiert, er ist im Emsland aufgewachsen. Osnabrück liegt quasi in der Mitte und als ihn seine Karriere mit 29 zum VfL führte, war sein erstes Kind ein Jahr alt. Die Stadt fanden sie cool, überschaubarer als Köln, das er auch sehr gerne mag, aber ruhiger, mit der Möglichkeit, viel einfacher loszulassen als in der Großstadt. Trotz nur einem Jahre zwischen den lila-weißen Pfosten festigte sich die Idee, hier später leben zu wollen.

Mit Spaß an Bewegung sein Talent entdecken

Ähnlich ungeplant kam Stefan Wessels zu BaKoS. Sein Sohn war drei Jahre alt und wollte Fußball spielen, hatte aber schon nach wenigen Trainings keine Lust mehr. Ein Faktor: der Betreuer sei ein guter Fußball-Trainer gewesen, aber zu wenig Erzieher. Und nachdem es auch anderen Jungs so ging, kam das, was kommen musste. „Stefan, kannst du das nicht machen“, fragen die Eltern. Seine Cousine hat ihn dann auf die Ballschule Heidelberg gestoßen. Deren Methodik baut darauf, dass ein Einstieg über alle Sportarten am besten für kleine Kinder ist. Also besser Fangen, Werfen, Hockey spielen oder irgendetwas anderes als direkt zum Fußball. Dass es funktioniert, zeigen viel kleine Erfolge in nunmehr fast 15 Jahren BaKoS. Und auch sein Sohn hat über die Ballschule mit Spaß sein Fußballtalent entwickelt. Er spielt heute in der U19 des VfL Osnabrück.

Partner für ganzheitliche motorische Entwicklung und soziale Integration

Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie die Osnabrücker Ballschule arbeitet. Bewusst als Verein im Auftrag der Gemeinnützigkeit, aber ohne eigene Sportstätten und Ligabetrieb. BaKoS – das ist Stefan Wessels wichtig, weil er zu Beginn durchaus auf Widerstände bei den Etablierten gestoßen ist – ist kein Konkurrent für Sportvereine, sondern Partner, der sich für ganzheitliche motorische Entwicklung und soziale Integration der Kinder stark macht und bestenfalls Talente liefert. Als er erklärt, was den Verein darüber hinaus auszeichnet, greift der ehemalige Profi dann doch einmal ganz tief in die Kiste der Fußballerweisheiten: Wir gehen auch dahin, wo’s wehtut. Ein Beispiel: Als die ersten Menschen aus der Ukraine nach Osnabrück kamen, hat BakoS sehr schnell Ballspielangebote für die Kinder ins Leben gerufen – über alle Hürden hinweg, mit spontaner Unterstützung einiger Förderer, für ein bisschen Normalität und um bei der Integration der jungen Menschen zu helfen.

Stolz auf Zufriedenheitsquote und persönliches Feedback der Kids

Aktuell bietet BaKoS mit 35 Ehrenamtliche und sechs Festangestellten rund 90 Stunden pro Woche für insgesamt mehr als 1.000 Kinder in Osnabrück an. Die Trainerinnen und Trainer bekommen ein komplettes Programm, durchgeplant für das ganze Schuljahr. Nicht, weil sie es selbst nicht könnten, vielmehr damit immer ein anderer übernehmen kann, wenn einer oder eine ausfällt. Das sichert Qualität und Verlässlichkeit der Angebote, die immer auch als solche verstanden werden und nie Zwang sein wollen.

Wenn er so berichtet, während er der Ballschulstunde von FSJler Julius mit Schülerinnen und Schülern der Elisabethschule zuschaut, sieht man Stefan Wessels an, dass er stolz ist. Es ist längst nicht so, dass er am Wochenende Oliver Baumann und Alexander Nübel die Bälle zuwirft und ab Montag dann seinen Kindern in der Ballschule. Natürlich sein er immer noch ein Türöffner und das auch gerne, aber BaKoS, das seien Viele. Noch so etwas, das dem sympathischen Ballschullehrer wichtig ist: unbedingter Teamgeist. Darüber hinaus freue ihn besonders die unglaublich hohe Zufriedenheitsquote als Ergebnis einer Umfrage und das tolle Feedback der Kids selbst nach den Stunden.

Typisch Osnabrück? VfL und der Alltag mit dem Fahrrad

Ebenso überzeugt, wenn auch nach kurzer Überlegung, antwortet der 47-jährige auf die abschließende Frage, was denn für ihn typisch Osnabrück sei? Natürlich der VfL. Aber für ihn persönlich noch mehr, dass er hier fast alles mit dem Fahrrad, von zu Hause bis in die Innenstadt sogar nur über Fahrradstraßen fahren kann. Die ganze Familie genießt den Alltag ohne Auto. Das geht so weit, dass ein Sohn einmal zu seiner Schwester ins Auto gestiegen sein, um sie in die Innenstadt zu navigieren, gibt Stefan Wessels noch eine Anekdote mit auf den Weg. Wenig später habe er aber angerufen, weil er sich komplett verfranzt hatte. Er kannte nur die Fahrradwege.