Anna Brockhoff von der Handwerkskammer Osnabrück – Emsland – Grafschaft Bentheim

„Im Ehrenamt lassen sich gute Netzwerke knüpfen“

Universität, Fachhochschule und Handwerkskammer: die beruflichen Stationen der Juristin Anna Brockhoff in Osnabrück. Sie kennt das Innenleben der Verwaltungen in den Häusern bestens. Brockhoff ist heute Geschäftsführerin im Bereich Berufsbildung und Recht bei der HWK. Prägende Themen für sie: der Bürokratie-Abbau für Betriebe und Verwaltung, das Potenzial der Digitalisierung und der Wert des Ehrenamts.

Anna Brockhoff im modernen, hellen Konferenzraum der HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim in den Räumen in der Bramscher Straße im Stadtteil Sonnenhügel.

Validierungsverfahren, Leitkammer-Modell, Vollversammlung der Handwerkskammer: Wer ein Gespräch mit Anna Brockhoff führt, kann in eine sehr komplexe Welt eintauchen, in der es von gesetzlichen Regelungen und Verwaltungsvorgängen wimmelt. Zugleich versteht es die 45-Jährige, sehr pragmatisch, nüchtern und zielorientiert auf die Dinge zu schauen. Sie sagt dann Sätze wie: „Der Grundgedanke dahinter ist richtig. Aber es wäre schön gewesen, wenn der Gesetzgeber einen Weg gefunden hätte, das verwaltungsrechtlich einfacher umzusetzen.“

Seit 2020 leitet die Volljuristin den Bereich Berufsbildung und Recht der HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim. 24 Personen sind hier tätig. Schaut man auf die Namen des amtierenden Vorstands der HWK sind das zwölf Männer. In der Geschäftsführung gibt es drei Männer und eine Frau: Anna Brockhoff. Das Handwerk ist immer noch eine männerdominierte Welt. „Aber viel ist gerade im Umbruch“, betont die gebürtige Oldenburgerin.

HWK ist Leitkammer für Berufsanerkennung aus den USA

Das gilt auch für zahlreiche Themen in ihrem Geschäftsbereich. Die großen gesellschaftlichen Herausforderungen prägen auch den Alltag der HWK. Und es ist nicht zu unterschätzen, welche wichtige Rolle der Kammer in manchen Fragen zukommt. Da ist das große Thema Fachkräftemangel – und eng damit verbunden die Frage nach der Anerkennung von handwerklichen Berufsausbildungen, die im Ausland absolviert wurden.

„Vieles ist schnell klar. Aber in manchen Teilbereichen muss dann eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter die Ausbildungsinhalte im Detail vergleichen mit dem, was in Deutschland gefordert ist“, schildert Brockhoff. Damit nicht jede Handwerkskammer in Deutschland für jedes Land eine eigene Expertise aufbauen muss, gibt es das Leitkammer-Modell.

Die HWK Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim etwa ist Leitkammer für die berufliche Anerkennung von handwerklichen Berufsausbildungen aus den USA. Wenn also zum Beispiel in Sachsen eine Person aus den USA den Antrag auf Anerkennung stellt, bittet die dortige HWK zunächst die Osnabrücker Kolleginnen und Kollegen um Unterstützung. „Wir bewerten das dann und geben eine gutachterliche Stellungnahme ab.“

Ehrenamtlich tätige Arbeitnehmer willkommen

Auch beim Thema Validierungsverfahren ist man mittendrin in Fragen der politischen Weichenstellung für den Arbeitsmarkt. Mit dem Verfahren bewerten und bescheinigen Handwerkskammern, dass Personen unabhängig von einer formalen Berufsausbildung in einem anerkannten Ausbildungsberuf durch ihre mehrjährige Tätigkeit gleichwertige berufliche Kompetenzen erworben haben.

Das Ganze Vorhaben ist noch sehr jung, wurde bundesweit erst zu Jahresbeginn eingeführt. „Als Juristin sehe ich auch immer den Gleichstellungsgedanken“, sagt Brockhoff, von daher kann sie die Idee hinter dem Verfahren gut nachvollziehen. Aber der Praxistest steht noch aus. Für die Handwerkskammern sei der Aufwand unglaublich groß, unter anderem müssen sie eigens für das Verfahren neue Validierungsausschüsse bilden. Brockhoff hätte sich schlankere, pragmatischere Lösungen gewünscht.

Die dreifache Mutter sagt das auch vor dem Hintergrund, dass sie sehr gut um die begrenzten Ressourcen der HWK weiß. Denn die Kammer, zu deren Bezirk knapp 11.500 Betriebe gehören, ist auf das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitglieder angewiesen, zum Beispiel im Bereich der Prüfungen. „Und da benötigen wir Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmerseite.“

Auch die wesentlichen Entscheidungen für die Verwaltung trifft ein ehrenamtliches Gremium: Die Vollversammlung der HWK im Video erklärt.

„Ein riesiger Dank an alle, die sich schon engagieren“, betont Brockhoff, die gleich einen kleinen Werbeblock nachschiebt: „Man kann durch die ehrenamtliche Tätigkeit gute Netzwerke knüpfen und gewinnt tiefe Einblicke in die Handwerksorganisation und gestalterische Möglichkeiten.“

Regionen können mit innovativer Verwaltung punkten

Optimistisch blickt Brockhoff auch auf eine gute Weiterentwicklung der Region. „Sie bietet alle Möglichkeiten, gerade auch für Gründungswillige und junge Unternehmen“, ist sie überzeugt.  Aber das Potenzial ist – das macht Brockhoff deutlich – in ihren Augen noch lange nicht ausgeschöpft. Gerade bei digitalisierten Verwaltungsprozessen sieht sie viel Luft nach oben. „Damit könnten sich Regionen wirklich schmücken.“ Brockhoffs Tatendrang ist spürbar.